muensingen 20150328"Was, wenn wir eines Morgens aufwachen und realisieren, dass all die Naturschutzbemühungen der letzten dreißig Jahre nur die Hälfte der Geschichte erzählen - die Tagesgeschichte?" Mit diesem Zitat der US-amerikanischen Forscher Longcore und Rich begann Sabine Frank ihren Vortrag im Biosphärenzentrum Schwäbische Alb in Münsingen. Die studierte Sozial- und Kulturwissenschaftlerin ist Projektleiterin des Sternenparks Rhön, einem der drei Schutzgebiete in Deutschland, die im letzten Jahr als Sternenparks anerkannt wurden. In einem flammenden, emotionsreichen Vortrag erläuterte Sabine Frank, wie wichtig es ist, sich mit dem "Schutz und Nutz" der natürlichen Nacht zu beschäftigen, gerade in einem Biosphärengebiet. Man kann beispielsweise nicht Natur- und Artenschutz betreiben und dabei die Nacht außer Acht lassen, die für eine Vielzahl von Tieren ihren Lebensraum darstellt. Zunächst ist künstliches Licht etwas Unnatürliches und somit ein Eingriff, der bei vielen Lebewesen evolutionär nicht vorgesehen ist. Umso wichtiger ist es, mit dem künstlichen Licht verantwortungsvoll umzugehen und es nicht falsch einzusetzen. Die Auswirkungen falschen Lichts zur falschen Zeit sind für Mensch, Natur und Umwelt so tiefgreifend, dass man dieses Thema eigentlich schon längst hätte in Angriff nehmen müssen. Mit vielen Beispielen erläuterte Sabine Frank die Probleme, die durch unüberlegte Lichtnutzung entstehen. Auf das gesamte Thema wurde sie letztlich aufmerksam, als sie bei ihren Sternenführungen in der Rhön bemerkte, dass man die Sicht auf immer mehr Sternbilder verliert, durch die zunehmende Aufhellung des Nachthimmels. Maßgeblich trägt dazu falsch ausgerichtete und zu starke Beleuchtung bei, in Gemeinden, bei Firmen und auch im privaten Bereich, meist durch Unwissenheit und fehlende Sensibilisierung.

Am Beispiel des Sternenparks Rhön erläuterte Sabine Frank konkret, wie der Weg für eine Biosphärenregion zur Anerkennung eines Dark Sky Parks abläuft. In der Rhön begann es mit einer studentischen Arbeit und der Idee eines Sternenparks, die von der ARGE Rhön mit Begeisterung aufgenommen wurde. Mit dem Schutz der Nacht sollten auch die Gebiete in der Rhön, die einen noch annähernd natürlichen Nachthimmel aufweisen, erhalten und gesichert werden. Ziel des Biosphärenreservats war es, sich dann als Sternenpark zertifizieren zu lassen. Hierfür waren u.a. Beleuchtungsrichtlinien nötig, das Erstellen eines Leuchtenkatasters, Messungen der Himmelshelligkeit und letzlich die Antragstellung bei der International Dark Sky Association. Die Anerkennung der Beleuchtungsrichtlinien als freiwillige Selbstverpflichtung durch 80% der Gemeinden ist dazu notwendig und wurde im letzten Jahr erreicht. Das Ergebnis hielt Sabine Frank mit Freude in die Höhe: Die Anerkennungsurkunde als International Dark Sky Preserve. Dieser Weg hat sich für das Biosphärenreservat Rhön gelohnt: Der Bekanntheitsgrad der Region ist gestiegen und die Besucher kommen gezielt in die Region, um eine natürliche Nacht zu erleben, wodurch der Tourismus zunehmend profitiert. Ein Sternenpark ist aber nicht als einmalige Auszeichnung zu sehen, wie z.B. ein Geopark, sondern als ein Prozess mit stetigem Bemühen für seine Ziele. Sabine Frank gab den Zuhörern viele wertvoll Hinweise mit auf den Weg und zeigte, wie der Schutz der Nacht in der Rhön beispielhaft umgesetzt wird und so inzwischen Vorbild für weitere Regionen in Deutschland ist.

Sabine Frank regte am Schluss Ihres Vortrags eine Kooperation des Biosphärenreservats Rhön und des Biosphärengebiets Schwäbische Alb an, ganz im Sinne der UNESCO.

Nach dem engagierten Vortrag von Sabine Frank fasste Dr.-Ing. Matthias Engel die Grundsätze umweltgerechter Beleuchtung zusammen. Er gab einen Überblick über die Arbeit des 2011 gestarteten ehrenamtlichen Projekts Sternenpark Schwäbische Alb, in dem er zusammen mit Carsten Przygoda und Till Credner als private Interessengemeinschaft die Sternenpark-Thematik vorantreibt und für umweltgerechte Beleuchtung sensibilisiert. Dass es der Sternenhimmel über der Alb wert ist, geschützt zu werden, und ein Sternenpark mit seinem nachhaltigen Beleuchtungskonzept perfekt zu den Zielen des Biosphärengebiets passen würde, zeigte schon zu Beginn der Veranstaltung ein Film von Till Credner mit faszinierenden Nachtlandschafts-Aufnahmen der Schwäbischen Alb. Durch die Veranstaltung im Rahmen des Winterprogramms zum Thema "Nacht" führte Jochen Rominger vom Biosphärenzentrum und kündigte an, dass die wetterbedingt ausgefallene Sternenführung sicherlich zu einem späteren Termin wieder angeboten wird.

 

Hier ein paar Impressionen

Das "Projekt Sternenpark Schwäbische Alb" ist eine private und ehrenamtliche Initiative, die sich für umweltgerechte Beleuchtung zum Schutz von Mensch, Natur und Umwelt einsetzt.
Helfen Sie mit und werden Sie ein leuchtendes Vorbild!